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KI und digitale Zwillinge: Die nächste Generation industrieller humanoider Robotik vorantreiben

AI and Digital Twins: Powering the Next Generation of Industrial Humanoid Robotics

Warum humanoide Roboter mehr als nur Robotik-Hardware benötigen

Humanoide Roboter bewegen sich von Technologiedemonstrationen hin zu praktischen industriellen Anwendungen. Für Hersteller, insbesondere angesichts von Arbeitskräftemangel, steigenden Produktionskosten und zunehmend komplexen Produktvarianten, liegt ihr Reiz auf der Hand: Ein humanoider Roboter kann möglicherweise Aufgaben ausführen, die für bestehende menschliche Arbeitsbereiche konzipiert wurden, ohne dass jeder Produktionsprozess für einen konventionellen Roboter neu gestaltet werden muss.

Der industrielle Wert eines humanoiden Roboters wird jedoch nicht allein durch seine mechanischen Fähigkeiten bestimmt. Die wichtigere Frage ist, wie schnell und sicher er eine Aufgabe erlernen, sich an Abweichungen anpassen und innerhalb eines bestehenden Produktionssystems arbeiten kann.

Hier werden künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge wichtig. Meiner Ansicht nach wird der eigentliche industrielle Durchbruch nicht einfach dadurch erzielt, dass ein humanoider Roboter in die Fabrikhalle gestellt wird. Er wird durch die Schaffung einer Engineering-Umgebung entstehen, in der der Roboter vor seinem physischen Einsatz trainiert, getestet und validiert werden kann.

Von physischer KI zu industrieller Intelligenz

Ein humanoider Roboter, der in einer Fabrik arbeitet, muss mit Bedingungen umgehen, die nur selten vollständig vorhersehbar sind. Teile sind möglicherweise nicht genau wie erwartet positioniert, Mitarbeitende können denselben Arbeitsbereich betreten, Materialien können variieren und Produktionspläne können sich ändern.

Bei der traditionellen Automatisierung wird im Allgemeinen versucht, diese Variabilität durch deterministische Programmierung zu beseitigen. Humanoide Roboter erfordern einen anderen Ansatz.

Physische KI kombiniert Bildverarbeitung, Wahrnehmung, Sensorsignale und Entscheidungsfindung, damit ein Roboter auf veränderte Bedingungen reagieren kann. Statt nur eine festgelegte Befehlsfolge auszuführen, kann der Roboter seine Umgebung interpretieren und eine geeignete Aktion auswählen.

Für Ingenieure der industriellen Automatisierung stellt dies eine erhebliche Veränderung der Architektur dar. Die Herausforderung besteht nicht mehr nur in der Bewegungssteuerung. Sie umfasst auch Wahrnehmung, Entscheidungsmodelle, Sensorsignalverarbeitung, Simulationsdaten und kontinuierliche Validierung.

Warum das Training von Robotern nicht ausschließlich in der Fabrikhalle stattfinden kann

Das direkte Training eines humanoiden Roboters in der Produktion ist eine kostspielige technische Aufgabe. Jeder physische Versuch beansprucht Produktionszeit, birgt betriebliche Risiken und erfordert technische Ressourcen.

Siemens schätzt, dass das Training eines humanoiden Roboters mehr als zwei Wochen dauern kann. Ohne KI und Digital-Twin-Technologien könnte der Trainingsaufwand erheblich länger werden, da die Anzahl möglicher Betriebsbedingungen zunimmt.

Eine Fabrik kann realistischerweise auch nicht jede mögliche Kombination aus Fehlern, Bauteilpositionen, Interaktionen mit Arbeitskräften und Umgebungsbedingungen für physische Tests bereitstellen.

Dies schafft eine grundlegende Einschränkung: Die physische Fabrik ist ein wertvoller Ort, um einen Roboter zu validieren, aber nicht unbedingt der effizienteste Ort, um ihn zu trainieren.

Digitale Zwillinge schaffen eine virtuelle Trainingsumgebung

Ein digitaler Zwilling verändert diese Gleichung, indem er eine virtuelle Darstellung der Fabrik, der Produktionslinie, der Anlagen und der Betriebsabläufe bereitstellt.

Humanoide können anhand zahlreicher simulierter Situationen trainiert und bewertet werden, bevor sie in die physische Produktionsumgebung gelangen. Ingenieure können verschiedene Aufgabenfolgen testen, Fehlerbedingungen identifizieren und Arbeitsabläufe ändern, ohne den Fertigungsbetrieb zu unterbrechen.

Der Vorteil besteht nicht einfach in schnelleren Tests. Simulation verändert die Wirtschaftlichkeit von Experimenten.

Ein physischer Test kann die Verfügbarkeit von Geräten, technische Betreuung und Produktionsstillstände erfordern. Ein virtueller Test kann deutlich häufiger wiederholt werden und den Roboter Situationen aussetzen, die physisch nur schwer oder unsicher nachzustellen wären.

Für die industrielle Einführung stellt dies eine wichtige Zwischenebene zwischen der KI-Entwicklung und dem realen Betrieb dar.

KI und Simulation funktionieren gemeinsam besser

KI allein löst das Problem der industriellen Einführung nicht. Ein Roboter kann zwar in der Lage sein, aus Erfahrungen zu lernen, doch das Sammeln ausreichender Erfahrungen in der realen Welt kann langsam und kostspielig sein.

Die Simulation liefert den Maßstab.

KI kann simulierte Umgebungen nutzen, um zu lernen, wie sie auf verschiedene Situationen reagieren soll, während der digitale Zwilling den virtuellen Betriebskontext bereitstellt, in dem diese Entscheidungen bewertet werden können. Der daraus entstehende Arbeitsablauf ähnelt eher einer kontinuierlichen Entwicklungsschleife:

simulieren -> trainieren -> bewerten -> Fehler identifizieren -> verfeinern -> validieren -> einsetzen

Dieser Ansatz ermöglicht es außerdem, einen Humanoiden Tausenden virtueller Szenarien auszusetzen, anstatt sich auf eine relativ geringe Anzahl physischer Versuche zu verlassen.

Meiner Ansicht nach ist dies einer der wichtigsten Unterschiede zwischen der herkömmlichen Roboterprogrammierung und physischer KI. Bei der herkömmlichen Automatisierung liegt der Schwerpunkt stark darauf, festzulegen, was die Maschine tun soll. Bei physischer KI geht es zunehmend darum, der Maschine beizubringen, wie sie reagieren soll, wenn die Bedingungen nicht genau wie erwartet sind.

Südostasien bietet einen praxisnahen Testfall

Südostasien ist für diese Entwicklung besonders relevant, da die Region hohe Investitionen in die Fertigung mit wachsendem Druck auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, die Produktionseffizienz und die Flexibilität der Fertigung verbindet.

Singapurs geplantes Physical-AI-Testfeld im Punggol Digital District ist ein Beispiel dafür, wie autonome Systeme in einer realen Umgebung mit gemischter Nutzung bewertet werden können, anstatt auf Labordemonstrationen beschränkt zu bleiben.

Gleichzeitig erhöht die zunehmende Investition in die Elektronik-, Halbleiter- und Automobilfertigung den Bedarf an flexiblen Automatisierungssystemen, die kürzere Produktionszyklen und eine größere Produktvielfalt bewältigen können.

Diese Umgebung könnte Südostasien zu einem wichtigen Erprobungsgebiet für industrielle Humanoide machen.

Humanoide werden nicht jeden Industrieroboter ersetzen

Es ist wichtig, Humanoide nicht als universellen Ersatz für die bestehende Automatisierung zu betrachten.

Ein dedizierter Industrieroboter eignet sich häufig besser für eine repetitive Aufgabe mit streng kontrollierten Bewegungen, hohen Taktzahlen und vorhersehbarer Werkzeugführung. Ein Humanoid wird interessanter, wenn die Umgebung auf menschliche Arbeitskräfte ausgelegt ist und sich Aufgaben so häufig ändern, dass eine feste Automatisierung nur schwer zu rechtfertigen ist.

Dieser Unterschied ist wichtig.

Die industrielle Zukunft wird wahrscheinlich keine Fabrik sein, die ausschließlich mit Humanoiden gefüllt ist. Vielmehr wird es sich um eine hybride Umgebung handeln, die SPS, Industrieroboter, autonome mobile Roboter, Bildverarbeitungssysteme, konventionelle Maschinen und Humanoide umfasst und über zunehmend intelligente Softwarearchitekturen miteinander verbunden ist.

Die eigentliche technische Herausforderung ist die Integration

Der erfolgreiche Einsatz eines Humanoiden erfordert mehr als Roboterintelligenz. Er erfordert die Integration in das bestehende Automatisierungssystem.

Der Roboter muss mit Produktionsanlagen, Fertigungsleitsystemen, Sicherheitssystemen, Logistikprozessen und menschlichen Bedienern interagieren. Seine Aktionen müssen außerdem mit den betrieblichen Rahmenbedingungen des Werks übereinstimmen.

Deshalb sind digitale Zwillinge besonders wertvoll. Sie bieten eine gemeinsame Entwicklungsumgebung, in der mechanisches Verhalten, Produktionsprozesse, Roboteraktionen und Fabrikbedingungen gemeinsam bewertet werden können.

Die Frage verschiebt sich daher von „Kann der Humanoid diese Aufgabe ausführen?“ zu „Kann der Humanoid diese Aufgabe innerhalb des vollständigen Produktionssystems sicher und konsistent ausführen?“

Das ist eine weitaus bedeutsamere industrielle Frage.

Die Validierung wird ebenso wichtig wie das Training

Mit zunehmender Leistungsfähigkeit von KI wird die Validierung einen größeren Teil der Entwicklung industrieller Robotik ausmachen.

Ein Humanoid, der aus Daten lernt, kann potenziell auf Situationen stoßen, die von einem Ingenieur nicht ausdrücklich programmiert wurden. Hersteller benötigen daher Mechanismen, um zu bewerten, ob die Entscheidungen des Roboters weiterhin innerhalb akzeptabler betrieblicher Grenzen liegen.

Digitale Zwillinge können dabei helfen, wiederholbare Umgebungen zum Testen von Grenzfällen und anomalen Bedingungen bereitzustellen.

Bei sicherheitskritischen Abläufen sollte die Simulation jedoch nicht als Ersatz für die physische Validierung betrachtet werden. Beide sollten sich ergänzen. Virtuelle Tests können die Anzahl physischer Versuche reduzieren und Probleme früher erkennen, während die physische Inbetriebnahme das tatsächliche Systemverhalten bestätigt.

Von der Inbetriebnahme zur kontinuierlichen Optimierung

Traditionelle Automatisierungsprojekte haben häufig eine klar abgegrenzte Inbetriebnahmephase, auf die ein relativ stabiler Betrieb folgt. KI-gesteuerte Robotik führt ein kontinuierlicheres Entwicklungsmodell ein.

Sobald ein Humanoid eingesetzt ist, können Betriebsdaten neue Bedingungen und Fehlermodi sichtbar machen. Diese Erkenntnisse können in Simulations- und Trainingsumgebungen integriert werden, sodass das Verhalten des Roboters verfeinert werden kann, bevor aktualisierte Modelle wieder in die Produktion überführt werden.

Dadurch entsteht eine Rückkopplungsschleife zwischen der physischen Fabrik und ihrem digitalen Gegenstück.

Für Hersteller könnte der Einsatz von Robotern dadurch letztlich weniger der Installation einer fertigen Maschine und mehr der Wartung eines sich weiterentwickelnden industriellen Softwaresystems ähneln.

Die Fabrik der Zukunft wird sowohl physisch als auch virtuell sein

Das Aufkommen humanoider Roboter ist daher nicht einfach ein weiteres Kapitel in der industriellen Robotik. Es ist Teil eines umfassenderen Wandels hin zu softwaredefinierter und KI-gestützter Fertigung.

Die physische Fabrik bleibt der Ort, an dem Produkte hergestellt werden, doch ein zunehmender Teil der Entwicklungsarbeit kann in ihrem virtuellen Gegenstück stattfinden. Roboterschulung, Produktionsvalidierung, Workflow-Optimierung und Fehleranalyse können zunehmend durchgeführt werden, bevor Änderungen in das reale System übernommen werden.

Für Hersteller in Südostasien könnte diese Fähigkeit wertvoller sein als der Humanoid selbst.

Der langfristige Wettbewerbsvorteil wird durch den Aufbau einer Infrastruktur entstehen, die es KI-gestützten Maschinen ermöglicht, schneller zu lernen, innerhalb festgelegter technischer Grenzen zu arbeiten und sich kontinuierlich zu verbessern, ohne die Produktion wiederholt zu unterbrechen.

Humanoide mögen Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber KI, Simulationen und digitale Zwillinge werden darüber entscheiden, ob sie zu wirklich nützlichen industriellen Anlagen werden.

KI und digitale Zwillinge: Wegbereiter der nächsten Generation industrieller humanoider Robotik