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Produktionsautomatisierung geht über Workflows hinaus: Daten, Integration und intelligente Prozesssteuerung

Production Automation Is Moving Beyond Workflow: Data, Integration, and Intelligent Process Control

Produktionsautomatisierung beginnt mit der Datennormalisierung

In der nächsten Phase der Produktions-automatisierung geht es nicht einfach darum, mehr Software, Maschinen oder Roboterausrüstung hinzuzufügen. Die eigentliche Transformation beginnt, wenn sich Produktionsdaten konsistent zwischen Geschäftssystemen, Produktionsanlagen, Workflow-Plattformen und Anwendungen der Lieferkette bewegen können.

In Druck- und Verpackungsumgebungen bedeutet dies, Auftragsverwaltung, MIS, ERP, Vorstufe, Produktionsanlagen, Weiterverarbeitungssysteme und Fulfillment-Abläufe miteinander zu verbinden. APIs, JDF, EDI und andere maschinenlesbare Schnittstellen stellen die Kommunikationsebene bereit, doch die Integration allein schafft noch keine Automatisierung.

Die wichtigere ingenieurtechnische Aufgabe ist die Datennormalisierung. Aufträge, die über verschiedene Kanäle eingehen, müssen in konsistente Produktionsinformationen umgewandelt werden, bevor automatisierte Entscheidungen getroffen werden können.

Aus Sicht der Automatisierungstechnik ist dies mit dem Aufbau eines Steuerungssystems vergleichbar: Inkonsistente Eingangssignale können kein konsistentes Ausgangsverhalten erzeugen. Produktionsautomatisierung hängt daher ebenso stark von standardisierten Daten wie von der Anlagenvernetzung ab.

Die Auftragserfassung wird zu einer Automatisierungsschnittstelle

Die traditionelle Auftragserfassung war stark von Kundendienstmitarbeitern und der manuellen Auftragseingabe abhängig. Dieses Modell wird zunehmend schwieriger, da Web-to-Print, E-Commerce, Markenportale und automatisierte Beschaffungskanäle größere Mengen kleinerer Aufträge erzeugen.

Moderne Produktionssysteme müssen eingehende Aufträge automatisch interpretieren, erforderliche Informationen validieren, Produktionsparameter zuweisen und Statusinformationen zurückgeben, ohne unnötige manuelle Eingriffe zu erfordern.

B2B-Shops und eingeschränkte Online-Designumgebungen können diesen Prozess erheblich verbessern, da sie Eingaben auf produktionskompatible Konfigurationen beschränken. EDI bietet größeren Kunden einen weiteren praktikablen Weg, indem Bestellinformationen strukturiert in die Produktionsumgebung übertragen werden können.

Allerdings lässt sich nicht jeder Auftrag standardisieren. Individuelle Arbeiten, ungewöhnliche Spezifikationen, fehlende Informationen und kundenspezifische Anforderungen werden auch weiterhin Ausnahmen verursachen.

Daher sollte das Ziel nicht darin bestehen, Bediener vollständig abzuschaffen. Ein besseres ingenieurtechnisches Ziel ist es, normale Bedingungen zu automatisieren und gleichzeitig kontrollierte Wege für abweichende Bedingungen zu schaffen.

Regelbasierte Automatisierung liefert die Steuerungslogik

Die regelbasierte Workflow-Automatisierung bleibt eine der praktischsten Technologien für Produktionsumgebungen, da sie Produktionswissen in ausführbare Entscheidungslogik umwandelt.

Ein korrekt konzipiertes System kann Auftragsdaten prüfen, Dateien validieren, Produktionswege auswählen, verfügbare Kapazitäten ausbalancieren und Aufträge entsprechend den Fähigkeiten der Ausrüstung weiterleiten.

Entscheidend ist, dass Automatisierungsregeln auf tatsächlichen Produktionsbeschränkungen und nicht auf abstrakter Softwarelogik basieren. Verfügbare Druckmaschinenkapazität, Anforderungen an das Substrat, Weiterverarbeitungsmöglichkeiten, Lieferfristen und Maschinenkompatibilität müssen die Routing-Entscheidungen beeinflussen.

Auch die Ausnahmebehandlung sollte von Anfang an in das System integriert werden. Fehlende Dateien, falsche Spezifikationen, fehlgeschlagene Preflight-Prüfungen, Einschränkungen der Ausrüstung oder Qualitätsprobleme sollten definierte Kontrollpunkte und Benachrichtigungen auslösen.

Dadurch entsteht eine robustere Automatisierungsarchitektur, da Bediener nur dann eingreifen, wenn vordefinierte Bedingungen menschliches Urteilsvermögen erfordern.

Prozesskontrolle muss vor der Werksautomatisierung kommen

Eine Automatisierung auf Werksebene kann einen instabilen Produktionsprozess nicht ausgleichen.

Vor der Automatisierung eines Workflows benötigen Hersteller standardisierte Prozessschritte, definierte Produktionsziele, dokumentierte Qualitätsanforderungen und messbare Kontrollpunkte. Andernfalls beschleunigt die Automatisierung lediglich uneinheitliche Abläufe.

Der Prepress-Bereich ist ein anschauliches Beispiel. Bediener prüfen traditionell Dateien, kontrollieren Auftragsdaten, führen Preflight-Prüfungen durch, erstellen Ausschießschemata, erzeugen Proofs und beheben Probleme manuell.

Ein ausgereifter automatisierter Workflow verlagert diese Aktivitäten in softwaregesteuerte Prozesse. Preflight-Profile können häufige Fehler erkennen, während automatisierte Aktionen vordefinierte Bedingungen korrigieren oder weiterleiten können.

Der technische Vorteil besteht nicht nur in der Arbeitsreduzierung, sondern auch in der Wiederholbarkeit des Prozesses. Sobald Fehlerquellen konsequent erfasst werden, lassen sich wiederkehrende Probleme identifizieren und an ihrer Ursache beheben.

Automatisiertes Ausschießen reduziert die Abhängigkeit von Vorlagen

Herkömmliche Ausschieß-Workflows erfordern häufig eine große Anzahl manuell gepflegter Vorlagen. Dieser Ansatz wird zunehmend schwieriger, je mehr Produktvarianten und Gerätekombinationen hinzukommen.

Regelbasiertes Ausschießen bietet eine besser skalierbare Alternative. Eingehende Dateien können anhand von Abmessungen, Seitenanzahl, Anforderungen an den Bedruckstoff, Anlagenfunktionen und Produktionsregeln ausgewertet werden.

Das System kann anschließend eine geeignete Ausschießstrategie auswählen, ohne dass ein Bediener manuell aus Hunderten von Vorlagen wählen muss.

Dieser Ansatz ist besonders wertvoll, wenn Produktionsumgebungen mehrere Digitaldruckmaschinen, Offsetdruckmaschinen und Weiterverarbeitungskonfigurationen umfassen. Die Automatisierungsebene ist dafür verantwortlich, die Auftragsanforderungen in maschinenspezifische Produktionsanweisungen zu übersetzen.

Der Digitaldruck schafft ein starkes Automatisierungsumfeld

Der Digitaldruck eignet sich besonders für die Workflow-Automatisierung, da sich die Produktion ohne die herkömmliche Plattenherstellung schnell ändern lässt.

Digitale Produktionsumgebungen umfassen jedoch häufig Anlagen mehrerer Hersteller. Unterschiedliche Digitaldruckmaschinen, digitale Frontends, Weiterverarbeitungssysteme und Workflow-Plattformen können verschiedene Schnittstellen und Datenstrukturen verwenden.

Dadurch gewinnt die Normalisierung zunehmend an Bedeutung.

Ein zentralisierter Workflow kann eine Form der „späten Bindung“ ermöglichen, sodass Produktionsentscheidungen flexibel bleiben, bis genügend Informationen für die Auswahl der geeigneten Maschine vorliegen.

Beispielsweise kann ein Auftrag zunächst in eine gemeinsame Produktionswarteschlange eingehen und später je nach Kapazität, Bedruckstoff, Weiterverarbeitungsanforderungen, Lieferzeit oder Maschinenverfügbarkeit einer bestimmten Druckmaschine zugewiesen werden.

Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Produktionsplanung, die durch Software statt durch manuelle Koordination umgesetzt wird.

Die Offsetproduktion muss Bestandteil der Automatisierungsarchitektur bleiben

Automatisierungsstrategien sollten nicht davon ausgehen, dass der Digitaldruck in jedem Betrieb den Offsetdruck ersetzen wird.

Viele Produktionsbetriebe werden weiterhin in hybriden Umgebungen arbeiten, in denen Digital- und Offsetanlagen unterschiedliche wirtschaftliche und technische Anforderungen erfüllen.

In diesen Betrieben sollte die Workflow-Automatisierung vorgelagert auf Ausschieß- und CTP-Systeme sowie nachgelagert auf Produktion und Weiterverarbeitung ausgeweitet werden.

Das frühzeitige Erfassen von Informationen zum Auftrag ermöglicht es, dieselben Produktionsdaten für mehrere Prozessstufen zu verwenden. Dadurch wird die wiederholte Dateneingabe reduziert und ein klarerer Zusammenhang zwischen dem ursprünglichen Auftrag und dem physischen Produktionsergebnis geschaffen.

Die entscheidende Voraussetzung ist daher nicht die Kompatibilität von Digital- und Offsetdruck. Entscheidend ist vielmehr, dass die Automatisierungsarchitektur beide Produktionstechnologien mithilfe gemeinsamer Produktionsdaten koordinieren kann.

Die Weiterverarbeitung ist die nächste Grenze der Automatisierung

Die Automatisierung im Frontend schafft die Grundlage für die Automatisierung von Weiterverarbeitung und Auftragsabwicklung.

Schneider, Falzmaschinen, Sammelhefter, Faltschachtelklebemaschinen, Längs- und Querschneider sowie Dreimesserautomaten können zunehmend strukturierte Produktionsinformationen empfangen, anstatt vollständig auf eine manuelle Einrichtung angewiesen zu sein.

JDF-basierte Workflows sind besonders relevant, da Auftragsinformationen zusammen mit der Produktionsdatei in nachgelagerte Prozesse gelangen und den Weiterverarbeitungsanlagen die für die Einrichtung erforderlichen Informationen bereitstellen können.

Dies wird für die Produktion in kleinen Auflagen und mit wechselnden Mengen zunehmend wichtig. Wenn sich die Produktmengen häufig ändern, kann die manuelle Rüstzeit einen unverhältnismäßig großen Anteil der Produktionszeit beanspruchen.

Das langfristige Ziel ist ein vernetzter Workflow, bei dem die Auftragsinformationen das Produkt von der Auftragserfassung über Produktion, Weiterverarbeitung und Verpackung bis zur Auftragsabwicklung begleiten.

Integration ist die eigentliche Herausforderung der Automatisierung

Die größte Herausforderung bei der Automatisierung ist oft nicht die einzelne Maschine. Sie liegt in der Integration zwischen Maschinen und Informationssystemen.

Eine moderne Produktionsumgebung kann ERP-Systeme, MIS-Plattformen, E-Commerce-Portale, Prepress-Anwendungen, Workflow-Engines, Druckmaschinen, CTP-Systeme, Weiterverarbeitungsanlagen, Lagerverwaltungssysteme und Versandplattformen umfassen.

Jede Komponente kann ihre eigene Funktion effektiv ausführen und dennoch einen ineffizienten Gesamtprozess verursachen, wenn die Schnittstellen zwischen den Systemen schlecht gestaltet sind.

Aus Sicht der industriellen Automatisierung ähnelt dies einer verteilten Steuerungsarchitektur. Jedes Teilsystem verfügt über lokale Funktionen, doch das Gesamtsystem erfordert definierte Kommunikationswege, standardisierte Daten, Statusrückmeldungen, Ausnahmebehandlung und koordinierte Entscheidungslogik.

Die Automatisierungsarchitektur sollte daher auf dem Informationsfluss und nicht auf einzelnen Gerätemarken basieren.

KI ist wertvoll, wenn sie reale Produktionsvariablen steuert

KI erhält in der Fertigungs- und Druckproduktion große Aufmerksamkeit, doch ihr praktischer Nutzen hängt davon ab, wo sie eingesetzt wird.

Generative KI erhält möglicherweise die größte öffentliche Aufmerksamkeit, doch Produktionsumgebungen können unmittelbarere Vorteile aus maschinellem Lernen ziehen, das auf Betriebsdaten angewendet wird.

Zu den möglichen Anwendungen gehören vorausschauende Wartung, Prozessüberwachung, Qualitätsanalyse, Farbkonsistenz, der Vergleich der Produktionsleistung, Terminplanoptimierung und die Unterstützung der Maschinensteuerung.

Beispielsweise können historische Maschinendaten analysiert werden, um Bedingungen zu erkennen, die mit dem Verschleiß von Komponenten oder einer Prozessinstabilität zusammenhängen. Qualitätsdaten können mit Maschinenparametern korreliert werden, um Muster zu erkennen, die durch eine manuelle Prüfung nur schwer feststellbar sind.

KI sollte jedoch die deterministische Steuerung nicht dort ersetzen, wo diese angemessen ist.

Sicherheitsfunktionen, Maschinenverriegelungen, grundlegende Ablaufsteuerungen und klar definierte Prozessgrenzen sollten weiterhin eine vorhersehbare Steuerungslogik verwenden. KI eignet sich besser dort, wo große historische Datensätze die Vorhersage, Klassifizierung, Optimierung oder Entscheidungsunterstützung verbessern können.

Der nächste Schritt ist eine intelligente Produktionssteuerungsebene

Die Zukunft der Produktionsautomatisierung wird wahrscheinlich eine Kombination aus deterministischer Automatisierung, maschinellem Lernen, vernetzten Anlagen und menschlichem Ausnahmemanagement umfassen.

Die leistungsfähigsten Architekturen werden nicht versuchen, jede Produktionsentscheidung autonom zu treffen. Stattdessen automatisieren sie wiederkehrende Entscheidungen, erfassen kontinuierlich Betriebsdaten, erkennen Abweichungen und eskalieren Situationen, die menschliches Fachwissen erfordern.

Damit entsteht ein praxisnaher Weg zur Industrie 5.0, ohne menschliche Bediener als überflüssige Komponente zu betrachten.

Meiner Ansicht nach besteht der wichtigste Wandel daher nicht im Übergang von der manuellen zur vollständig autonomen Produktion. Er besteht im Übergang von isolierter zu koordinierter Automatisierung.

Wenn Auftragsdaten, Produktionskapazität, Maschinenstatus, Qualitätsinformationen und Anforderungen an die Weiterverarbeitung Teil eines gemeinsamen vernetzten Informationsmodells werden, kann sich die Automatisierung von der Optimierung einzelner Prozesse hin zur Optimierung auf Werksebene entwickeln.

Hier werden voraussichtlich die nächsten großen Produktivitätsgewinne entstehen: nicht durch das Hinzufügen einer weiteren eigenständigen automatisierten Maschine, sondern dadurch, dass das gesamte Produktionssystem Informationen austauschen, kontrollierte Entscheidungen treffen, aus historischen Leistungen lernen und Menschen nur dort einbeziehen kann, wo ihr Urteilsvermögen einen Mehrwert bietet.

Produktionsautomatisierung geht über den Workflow hinaus: Daten, Integration und intelligente Prozesssteuerung