Das neue Schlachtfeld: Cyberangriffe in der industriellen Automatisierung
Einst isolierte industrielle Steuerungssysteme sind heute tief mit IT- und Cloud-Netzwerken verbunden. Dieser Wandel erhöht die Effizienz, bringt aber auch ernsthafte Cyber-Schwachstellen mit sich. In meiner Ingenieurpraxis habe ich gesehen, wie selbst routinemäßige Sensorupdates zu Angriffsvektoren werden können, wenn Sicherheit von Anfang an nicht berücksichtigt wird.
Hochkarätige Angriffe signalisieren wachsendes Risiko
Jüngste Cyberangriffe auf Varta und Crown Equipment zeigen eine beunruhigende Realität: Hacker zielen auf die Betriebstechnologie ab, um die Produktion zu stoppen, nicht nur um Daten zu stehlen. Diese Vorfälle beweisen, dass Hersteller die OT-Cybersicherheit als geschäftskritisch und nicht optional behandeln müssen.
Warum OT das neue Ziel von Cyberkriminellen ist
Die meisten OT-Systeme wurden nicht mit Blick auf Cybersicherheit entwickelt. Viele laufen noch mit veralteter Firmware, ungepatchten Protokollen und unsicherer Legacy-Software. Cyberkriminelle nutzen diese Schwachstellen für:
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Finanzielle Erpressung durch Ransomware
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Industrielle Sabotage
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Diebstahl geistigen Eigentums durch Manipulation von Produktionsdaten
Ich habe persönlich mit alten SPS gearbeitet, die noch im Einsatz sind, einfach weil ein Update die Produktion unterbrechen könnte – ironischerweise genau der Grund, warum sie so verwundbar sind.
Das falsche Sicherheitsgefühl bei der IT-OT-Konvergenz
Viele Fabriken gehen davon aus, dass IT-Sicherheitswerkzeuge wie Firewalls und Antivirensoftware ausreichen. Ich habe jedoch gesehen, wie Malware unentdeckt in robotische Systeme über ein schlecht isoliertes Netzwerk eindrang. IT und OT teilen vielleicht Infrastruktur, benötigen aber sehr unterschiedliche Sicherheitsstrategien.
Vom Reaktiven zum Proaktiven: OT-Cybersicherheit neu denken
Wir müssen aufhören, nur auf Bedrohungen zu reagieren, und anfangen, sie vorherzusehen. Ein modernes OT-Sicherheitsframework sollte Folgendes beinhalten:
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Managed Echtzeitüberwachung
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Zero-Trust-Architektur für Gerätezugriff
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KI-basierte Anomalieerkennung , die das normale Systemverhalten erlernt
In einem Fall half KI, subtile Abweichungen in der Bewegung eines Roboterarms zu erkennen, die zu Produktfehlern hätten führen können – bevor ein Kunde betroffen war.
KI: Das zweischneidige Schwert im Cyberkrieg
Cyberkriminelle nutzen jetzt KI, um ausgeklügelte Angriffe zu automatisieren. Aber wir können dem mit KI-gesteuerten Abwehrmaßnahmen begegnen. Intelligente Systeme erkennen ungewöhnliche Muster über Sensoren, Antriebe und HMIs schneller als jedes menschliche Team. Ich empfehle, KI nicht als Backup, sondern als erste Verteidigungslinie einzusetzen.
Regulatorischer Druck und Zukunftssicherung
Regierungen verschärfen die OT-Cybersicherheitsvorschriften. Die NIS 2-Richtlinie ist erst der Anfang. Aus meiner Sicht ist Regulierung keine Belastung mehr – sie ist eine Mindestanforderung. Ingenieure und Automatisierungsplaner müssen Systeme entwerfen, die diese Standards erfüllen oder übertreffen, um langfristige Lebensfähigkeit zu gewährleisten.
Fazit: Sicherheit ist das neue Fundament der Automatisierung
Intelligentere Fabriken erfordern stärkere Sicherheit. Cyber-Resilienz ist nicht nur eine IT-Angelegenheit – sie ist eine zentrale ingenieurtechnische Verantwortung. Meiner Ansicht nach sollte jedes Automatisierungsprojekt mit Sicherheit im Mittelpunkt beginnen und nicht als nachträglicher Gedanke. So sichern wir die Zukunft der industriellen Automatisierung.
